Dirty Fashion: Ich sage STOPP zu den 4 größten Umwelt-Problematiken der Modeindustrie. Du auch?

 

Die Modebranche gilt als 2. größter Verschmutzer weltweit (nur die Erdölindustrie verschmutzt unsere Umwelt noch mehr), 80.000 Tonnen Kleidung werden in Österreich jährlich weggeschmissen, die Herstellung eines T-shirts benötigt rund 2.700 Liter Wasser, für die Herstellung vom Rohmaterial zum Stoff werden 8.000 unterschiedliche Chemikalien benutzt und 20% der industriellen Wasserverschmutzung kommen von der Textilindustrie.

Erstaunliche Fakten, oder?

Wenn wir durch die Einkaufsstraßen und -centren flanieren sehen wir attraktiv gestaltete Schaufenster mit den neuesten Trends, die Kleidung in den hell beleuchteten Geschäften ist sauber gefaltet, ordentlich aufgehängt und wird wunderschön präsentiert. Die verlockenden Preise laden zum Kauf ein. Wir sollten am Besten jede Woche die neuesten Trends kaufen, denn die Trends von heute gelten nächste Woche schon wieder als „Out“. Doch was steckt den eigentlich dahinter? Und auf welche Kosten? Warum wird die Modeindustrie als 2. schmutzigste Industrie bezeichnet?

Ich informiere dich über die 4 größten Umweltproblematiken der Modeindustrie:

 

1. Synthetische Materialien belasten die Umwelt

Synthetische Materialien wie Polyester und Nylon finden wir mittlerweile schon in 60% unserer Kleidung. Sie sind billig in der Herstellung und daher beliebt in der Fast Fashion Industrie. Polyester und Nylon sind Kunstfasern, vergleichbar mit Plastik. Daher kann das Material nicht atmen und klebt auf unserer Haut, wenn wir schwitzen. Nylon und Polyester werden aus Erdölchemikalien hergestellt. Das heißt, Polyester ist ein Produkt der Ölindustrie und ist somit nicht leicht ökologisch abbaubar. Bei der Herstellung von Chemiefasern ist der Wasserverbrauch zwar wesentlich geringer als bei Baumwolle (für 1 Kilogramm Polyester wird 17 Liter angegeben), aber dafür ist die Umweltbelastung größer. Bei der Herstellung von Nylon wird Stickstoffoxid ausgestoßen. Dies ist ein Treibhausgas, welches 300 mal gefährlicher für die Umwelt ist als Kohlendioxid.

Schlußendlich landen diese billig produzierten Fasern im Ozean. Als Mikrofasern lösen sie sich nämlich beim Waschen in der Waschmaschine von unserer Kleidung. Sie landen im Ozean, denn nur ein Teil wird in den Kläranlagen gesammelt. Das Mikroplastik kann nicht durch natürliche Prozesse abgebaut werden. Per se ist Plastik nicht giftig, doch es lagern sich im Meer Schadstoffe daran ab. Das Mikroplastik wird von den Fischen und anderen Lebewesen als Nahrung wahrgenommen und aufgenommen. So landet das Plastik über die Nahrungskette wieder in unserem Essen.

Das kurze Video veranschaulicht sehr deutlich den Weg der synthetischen Fasern von der Kleidung bis auf unseren Teller:

 

 

 

2.Textilberge wachsen

Im Jahr 2015 wurden weltweit 73 Millionen Tonnen Textilien konsumiert – Tendenz steigend. Zwischen 2005 und 2015 hat sich die Zahl der Kleidungsstücke die wir kaufen verdoppelt. Das Geld das wir dafür ausgegeben haben ist aber gleich geblieben. Das heißt, wir kaufen immer mehr billige Kleidung, stopfen sie in unsere überquellenden Kleiderschränke oder schmeißen diese einfach weg, wenn sie uns nicht mehr gefällt.

Schätzungen zufolge werden jährlich von Herrn und Frau ÖsterreicherIn 80.000 Tonnen an alten Kleidern weggeschmissen, das sind rund 28 Kilo pro Einwohner und Jahr. Rund die Hälfte der TeilnehmerInnen einer Umfrage von Greenpeace bestätigten, dass sie ihre Kleidung einfach in die Mülltonne werfen, wenn sie ihnen nicht mehr gefällt. Mode wurde zum Wegwerf-Produkt. Kaum eine/r von uns repariert die kaputten Kleidungsstücke oder Schuhe. Warum auch reparieren, wenn es billiger ist, was Neues zu kaufen? Die aussortierte Kleidung kommt in den Restmüll. Dieser wird verbrannt und die giftigen Dämpfe gelangen in unsere Atmosphäre.

Ein anderer Teil der aussortierten Kleidung landet anonym in den Kleidungscontainer und Sammelboxen. Auf Wiens Straßen allein gibt es 2.000 Sammelboxen für Altkleider. Nur etwa 20% der gesammelten Kleidung wird von karitativen Einrichtungen gebraucht. Ungefähr 30% wird in Entwicklungsländern verkauft und etwa die Hälfte ist kaputte und zerschlissen Ware, welche zu Dachpappe, Putzlappen oder Innenverkleidung für Autos weiterverarbeitet wird. Ein kleiner Rest von etwa 2% wird als Abfall verbrannt. Das ist aber kein Re-cycling im eigentlichen Sinne, sondern eher ein massenhaftes Down-Cycling: Aus reparierbaren, erhaltenswerten Dingen wird Minderwertiges. Das ist keine nachhaltige Ressourcennutzung.

3. Verbrauch enormer Wassermengen

Die Modeindustrie ist ein sehr durstiges Business. Die Produktion von 1 Kilo Baumwolle benötigt knapp 30,000 Liter Wasser und die Produktion eines einzigen Baumwolltshirt braucht etwa 2,700 Liter Wasser – zum Vergleich: ein Mensch trinkt so viel Wasser innerhalb von 3 Jahren.

40% der weltweit produzierten Kleidung besteht aus Baumwolle. Der Baumwollanbau benötigt eine Menge Wasser und intensive Bewässerung. Auch für die Verarbeitung der Fasern, wie Färben und Waschen werden große Wassermengen benötigt. Problematisch daran ist insbesondere, dass dieses Wasser auch in Regionen verbraucht wird, in denen Wasser durchaus knapp ist.

Das extremste Beispiel für die Folgen der Baumwollproduktion ist die Austrocknung des Aralsees. Der Aralsee war einst der 4. Größte See weltweit. Heute ist er auf 10 Prozent seiner ursprünglichen Größe geschrumpft. Die Folgen sind fatal: Die gesamte Region leidet unter starker Bodenversalzung, welche schwerwiegende ökologische Folgen hervorgerufen haben: 2/3 der Flora und Fauna ist verschwunden, Fischvorkommen sind ausgestorben, Menschen leiden häufig an Krankheiten wie Krebs und Typhus und besitzen meist nur 50% des Immunsystems, das Klima wurde wüstenartig und unfruchtbar.

Austrocknung des Aralsees durch Baumwollanbau

3. Tödliche Chemikalien zerstören Menschen und Umwelt

17-20% der industriellen Wasserverschmutzung verursacht die Textilindustrie. In beinahe jedem Produktionschritt eines Kleidungsstückes werden toxische Chemikalien verwendet.

Chemikalien werden einerseits in Form von Pestiziden für den Anbau von Rohstoffen verwendet und anderseits zur Verarbeitung, wie Färben und der Bearbeitung von Textilien. Rund 8.000 synthetische Chemikalien werden bei der Verarbeitung vom Rohmaterial zum fertigen Textil verwendet.

Seit den 1950er Jahren werden vermehrt Pestizide in der Textilindustrie eingesetzt. Ein Beispiel: Baumwollpflanzen werden mit den scharfen Spritzmittel besprüht – die mächtigen Gifte verteilen sich über weite Landstriche, um alles zu töten, was die Pflanze fressen könnte. Das Gift gelangt so in das Grundwasser und fließt in die Flüsse, Bäche und schlußendlich in den Ozean. Die Gewässer werden verseucht.

Das Pestizid Aktions Netzwerk (PAN) bestätigt, dass Chemikalien die in Pestiziden verwendet werden bedenklich sind. Nicht-biologische Baumwolle benützt 22,5% der weltweiten Insektenvernichtungsmittel und 10% aller Pestizide auf nur 2,5% der weltweiten landwirtschaftlichen Anbaufläche. Die Folgen sind dramatisch: Die gesundheitlichen Auswirkungen reichen von chronischen Schädigungen (Pestizide können Krebs auslösen, das Erbgut schädigen, reproduktions- oder neurotoxisch wirken, hormonell wirksam sein etc.) bis zu akuten Vergiftungen. Laut PAN vergiften sich jährlich rund 3 bis 5 Millionen Menschen mit Pestiziden.

Genauso wie Pestizide verschmutzen und belasten synthetische Chemikalien die bei der Verarbeitung und zum Färben der Textilien verwendet werden die Süßwasserquellen. Auch bei Abwasserbehandlung, die nicht immer stattfindet, können zurückbleibende Giftstoffe in die Wasserversorgung gelanden. Das Trinkwasser wird somit verschmutzt. Diese Chemikalien sind krebserregend, toxisch, erbgutschädigend und haben daher extrem schädigende Effekte auf die Fortpflanzung der Menschen. Die EU und USA haben daher viele dieser Chemikalien verboten. Das heißt jedoch nicht, dass die Kleidung, die wir kaufen von diesen schädlichen Mitteln verschont bleibt. In Entwicklungsländern, wo der Großteil unserer Kleidung produziert wird, wird die Verwendung dieser Substanzen (noch) nicht reguliert oder ignoriert und nicht kontrolliert.

Chemikalien der Modeindustrie verschmutzen die Umwelt

Für die Produktion eines Baumwoll-T-Shirts wird das doppelte bis vierfache des T-Shirt-Gewichtes an Chemikalien eingesetzt. Bei einem Viskosepullover sieht die Bilanz noch schlechter aus: zur Produktion wird das fünf bis siebenfache des Produktgewichts an Chemikalien eingesetzt.

Familien riskieren ihr Leben um Baumwolle anzubauen, welche exportiert wird um Jeans und T-shirts für die westliche Welt zu produzieren. Viele Jeans und T-shirts, die wir schon vergessen haben, dass wir sie überhaupt noch im Kleiderschrank haben.

Conclusio

Dirty Fashion: Umweltbelastung durch synthetische Fasern, Textilmüll, Wasserverbrauch, Pestizide und Chemikalien

Unsere Kleidung belastet die Umwelt mehr als wir glauben. Synthetische Materialien wie Polyester und Nylon sind ein Erdölprodukt, d.h. es kann nicht biologisch abgebaut werden. Beim Waschen der Kleidung lösen sich Mikropartikel und gelangen so in den Ozean wird von den Fischen aufgenommen und landet so wiederum auf unseren Tellern. Unser Kaufrausch nach mehr und mehr Kleidung läßt die Textilmüllberge wachsen. Weil diese so billig ist, schmeißen wir sie schnell wieder weg und kaufen neue. Unser steigender Konsum lässt die Kleidungsproduktion auf Hochtouren laufen. Wir verbrauchen die Wasserreserven in Entwicklungsländern… dort wo Menschen schon an Wassermangel leiden. Doch wir wollen mehr Oberteile und Hosen. Leider verbraucht Baumwolle (in der Produktion und Verarbeitung), die in 40% unserer Kleidung verwendet wird Unmengen an Wasser. Um unseren Bedarf nach mehr Textilien nachzukommen, werden Chemikalien eingesetzt, einerseits in der Produktion und anderseits in der Verarbeitung. Eine fehlende Regulation bzw. Kontrolle von Chemikalien in den Herstellungsländern führt dazu, dass diese oft unbehandelt in die Gewässer geleitet werden und somit auch ins Trinkwasser gelangen. Ökologische Schäden sind die Folge.

Es ist höchste Zeit unseren Konsum zu überdenken. Werde dir bewusst wie sehr du mit konventioneller Kleidung zur Zerstörung unseres Planeten beiträgst!

Mit einfachen Mitteln kannst du deinen Beitrag leisten, um die Zerstörung unseres Planeten zu vermindern: Kaufe bewusst und hochwertig, so dass du mit deiner Kleidung lange eine Freude hast und bei Bedarf reparieren kannst. Verzichte auf Baumwolle und synthetische Fasern. Entscheide dich lieber für Bio-Baumwolle, Hanf, Leinen, Tencel oder Modal. 15 Tipps für bewussten nachhaltigeren Modekonsum bekommst du in diesem Artikel.

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Interessante Literatur:

 

6 Kommentare

  1. hannelore steinacher

    sehr interessant, hab vieles nicht gewusst. Danke, dass du zu mehr Bewusstheit beiträgst!

    • Liebe Hanne! Es freut mich, dass ich dir neue Einblicke in die Modeindustrie geben konnte und somit zu mehr Bewusstheit beitragen kann. Genau das ist mein Ziel! Denn Bewusstsein/-heit ist der erste Schritt für Veränderung! Jede/r von uns kann auf seine oder ihre Weise zu mehr Nachhaltigkeit auf unserer Welt beitragen.

  2. Interessanter Artikel! Ich halte auch nichts von „Dirty Fashion“.
    Ich bin ein wenig ratlos. Ich habe viel Second Hand Kleidung aus Kunstfaser hier, weil mir bis vor kurzem nicht bekannt war, dass sich beim Waschen Mikroplastik ablöst (scheint ja auch ein neuerer Befund zu sein). In Zukunft werde ich beim Kauf von Second Hand Kleidung auch darauf achten, dass sie nicht aus Kunstfaser besteht. Nur soll ich das, was ich eh schon habe, weiterverwenden? Es weiterzugeben, würde das Problem nur verschieben, außerdem sind das gut ausgewählte Kleidungsstücke, die ich sehr mag und eigentlich nicht weggeben will. Wegwerfen? Aber es ist nicht kaputt und dann brauche ich Ersatz. Weitertragen und trotz des Mikroplastiks waschen?
    Liebe Grüße,
    Nicole

    • Liebe Nicole!
      Es freut mich sehr, dass dich der Artikel angesprochen hat und du dich für die ökologischen Folgen unserer Mode interessiert. Ich finde es super, dass du Secondhand Kleidung tägst. Ich bin klar für Weitertragen deiner Secondhand Kleidung, auch der aus Kunstfaser. Gib deine gern getragenen Kleidungsstücke nicht weg. Die wurden sowieso schon produziert, menschliche und ökologische Ressoucen wurden bereits verbraucht. Jedes produzierte Kleidungsstück hat es verdient getragen zu werden, so lange wie möglich.
      Ich habe mir auch die gleiche Frage gestellt: Wie kann ich verhindern, dass das Mikroplastik unserer Kleidung nicht schlußendlich im Ozean landet? Bei meiner Recherche bin ich auf einen Wäschesack, der das Mikroplastik auffängt, gestoßen. Es gibt das Start-up Guppy Friend, welches einen 100% rececelbaren Waschbeutel entworfen hat, um das Mikroplastik zu filtern. Das Enorm-Magazin hat darüber einen Artikel geschrieben: https://enorm-magazin.de/ein-waschbeutel-gegen-mikroplastik
      Den Wäschebeutel kannst du dir näher im Online-Shop bei Guppy Friend anschauen: http://guppyfriend.langbrett.com/
      Klingt für mich schon nach einer nachhaltigen Lösung. Und ich freue mich, dass sich mehr Menschen über dieses Thema Gedanken machen und neue Möglichkeiten schaffen. Der Wäschebeutel ist zwar nicht ganz billig, doch auf jeden Fall seine Investition wert.
      Was denkst du darüber, Nicole?
      Alles Liebe,
      Cordula

      • Hallo Cordula,
        danke für den Tipp.
        In dem Greenpeace Artikel, den du bei dem Mikroplastik verlinkt hast, steht, dass es noch gar nicht belegt ist, dass der Beutel funktioniert.
        Liebe Grüße
        Nicole

        • Gerne Nicole! Ja, das kann nun jede/r selbst abwägen, ob so ein Waschbeutel ausprobiert werden will oder nicht. Welche Mikroplastik-Partikel tatsächlich gefiltert werden können ist fraglich, noch dazu weil es sich um so winzige Teilchen handelt. Man kann es versuchen oder nicht und auf jeden Fall weitere Studien darüber beobachten bzw. anregen. Die Forschung wird auch sicher darauf eine oder mehrere Antworten finden 😉

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